Die Tonhöhe "massieren"

Wenn Sie in die Noten Ihrer Vocals zusätzliche Trennungen einfügen, um die Noten kleinteiliger zu bearbeiten, dann werden die neuen “Blob-Scheiben” im Editierbereich auf neue Tonhöhen springen. Dies ist aber noch keine akustische Korrektur, sondern eine rein optische Angelegenheit: Für jeden neuen Blob wird dessen Tonhöhenschwerpunkt berechnet (der Durchschnittswert seiner Tonhöhenkurve) und im Inspektorfeld angezeigt. Entsprechend dieser Werte werden die Blobs vertikal neu positioniert. Je kleinteiliger eine Note zerschnitten wird, umso aussagekräftiger ist das Bild:

Vor dem Schneiden sah die Note recht gut aus (das Inspektorfeld zeigte eine Abweichung von lediglich 3 Cents). Nach dem Schneiden erkennen Sie aber, dass Teile der Note eine viel höhere Abweichung haben – die erste Hälfte war viel zu tief, die zweite dagegen etwas zu hoch. Die Repräsentation ist nach dem Schneiden also präziser und wahrheitsgetreuer. Ihr Ziel ist es nun, die Abweichungen zu minimieren.

“Massage" per Doppelklick

Am schnellsten geht dies per Doppelklick mit dem Tonhöhenwerkzeug – dann rasten die Noten genau ein, die Abweichung ist dann jeweils 0 Cent:

Die Vocals werden nun wesentlich stabiler klingen. Möglicherweise sind Sie mit dieser hundertprozentigen Korrektur aber übers Ziel hinausgeschossen und die Note klingt Ihnen jetzt “zu gut”. Das vermeiden Sie durch Nutzen des Tonhöhenmakros:

“Massage" per Tonhöhenmakro

Statt der 100% des Doppelklicks können Sie im Tonhöhenmakro eine andere Prozentzahl angeben:

Bei der Korrektur durchs Makro werden alle Blobs in die richtige Richtung korrigiert, also hin zu einer hundertprozentigen Korrektur, aber eben nur so weit, wie Sie das geschmacklich gut heissen. Das Ergebnis klingt “menschlicher” als der Doppelklick.

Das Makro hat neben der wählbaren Intensität noch einen weiteren Vorteil: Sie können seinen Einfluss auf die Tonhöhe auch wieder zurücknehmen. Wenn Sie nämlich das Makro später erneut aufrufen, sehen Sie, mit welcher Intensität Sie die selektierten Noten beim letzen Mal korrigiert hatten.
Nun können Sie – ausgehend vom letzten Wert – die Korrektur noch stärker, oder eben auch wieder etwas schwächer einstellen.

Nach der Korrektur könnte Ihre Vocal so aussehen:

Vergleichen Sie in der Abbildung beide Tonhöhenkurven in Ihrer jeweiligen Gesamtheit, also über die Grenzen der beteiligten Blobs hinweg. Dann sehen Sie, wie Ihre bisherigen Aktionen die Tonhöhenkurve “massiert” haben, hin zu einer konstanteren aber dennoch weiterhin lebendigen Kurve. In einem weiteren Schritt (siehe nächsten Abschnitt) können Sie nun die kleinen Brüche in der Tonhöhenkurve glätten, die durch die individuelle Korrektur der einzelnen Blob-Scheiben entstanden sind.

Details zum Tonhöhenmakro im Referenzteil:
Das Tonhöhenmakro

Notenübergänge glätten

Selektieren Sie dazu die gewünschten Noten und bewegen Sie das Tonhöhenwerkzeug über das Ende irgendeiner der beteiligten Noten. Dort verändert sich das Aussehen des Mauszeigers. Das Werkzeug regelt nun die Dauer des Tonhöhenübergangs zur nächsten Note. Indem Sie die Dauer für die Notenübergänge Ihrer Noten erhöhen, glätten Sie deren Tonhöhenkurve und vermeiden so unliebsame Ecken und Kanten:

“Massage" mit den Timingwerkzeugen

Bei genauerer Betrachtung spielt auch das Timing eine wichtige Rolle für den Tonhöheneindruck. Denn Schwächen im Ausdruck liegen nicht unbedingt daran, dass die Tonhöhe im Verlauf einer Note stark moduliert oder gebogen wird. Oft ist es mehr die Frage, wie schnell das geschieht – also wie lange der Sänger sich für Schwankungen Zeit lässt.

Deutlich wird das an den Wortanfängen. Dort nimmt ein Sänger gerne “Anlauf” bevor er sich auf der richtigen Tonhöhe stabilisiert. Im Bild sehen Sie die Textpassage “I love you”. Bei “love” sucht der Sänger regelrecht die richtige Tonhöhe. Das wirkt unsicher.

Mit dem Attack-Speed-Werkzeug können Sie dieses Suchen beschleunigen:

Dadurch wirkt die Performance sicherer und stabiler, allerdings vielleicht auch nüchterner und “unbeteiligter”. Ob und mit welcher Intensität eine solche Timingkorrektur vorgenommen werden sollte, entscheiden folglich der Song, der gewünschte Ausdruck und Ihr Geschmack.

Details zum Attack-Speed-Werkzeug im Referenzteil:
Time Handles und Attack Speed